Archive für April 2007

So, 01 – 04 – 2007 KERIKERI: Wunderbares WETA

Nein, ich habe nicht verlernt, Wetter zu schreiben, sondern das ist der Schriftzug, der auf mein Auto kommt, also, auf die eine Seite. Die Weta ist das größte Insekt auf diesem Planeten und nur in Neuseeland zu finden. Außerdem ist das der Name der Firma, die eigentlich alles für The Lord of the Rings gemacht hat und es sieht auch einfach gut aus. Nämlich. Ui, ich freu mich so. Gegen 1 haben Matthias und ich dann mit Auto-tapen angefangen, was so ungefähr drei Stunden gedauert hat, bis wir alle vier Buchstaben so hingeklebt hatten, dass wir beide zufrieden waren und Sarah mit ihrem Kunst-LK Wissen auch noch einverstanden war. Aber, die Mühe hat sich gelohnt und so um halb sechs konnten wir dann endlich mit der erste Farbe (grün) anfangen. Wie sich herausstellte, waren die Farben, die ich im Autozubehörgeschäft gekauft hatte, nicht der wahre Jakob und alles sah ziemlich fleckig und kacke aus. Zum Glück hatte Sarah noch grün von ihrem Auto ansprühen übrig und so konnten wir eine zweite Schicht drübersprayen und das sah dann um einiges besser aus. Haben uns dann alle um unsere Mägen gekümmert und so um achte, als es schon dunkel war, haben Matthias, Andre und Ich dann die Massen von Tape abenommen, die wir verbraucht hatten. Am Schluss hatten wir einen etwa Fußball großen Tapeball. Da Wahnsinn! Aber wir waren sehr zufrieden und hochmotiviert, am nächsten Tag weiter zu machen. 

Der Tag endete dann, wie kann es auch anders sein, im Aranga und so ungefähr bis fünf. Des ist der Wahnsinn, auch wenn man eigentlich überhaupt nicht viel geschlafen hat, bleibt man einfach lange auf, weil die Runde einfach so gemütlich und gesellig ist. Da sitzt man dann zusammen, irgendwer kocht, irgendwer hat Musik, die Raucher müssen nach draußen, irgendwer gibt einem immer ein Bierchen und jeden Abend lernt man entweder jemand schon bekannten noch besser oder sogar ganz neue Leute kennen. Da gleicht kein Abend dem anderen. 

Sa, 31 – 03 – 2007 KERIKERI: Toter Tag

Tja, da saßen wir nun alle, fertig, übermüdet, zu wenig Schlaf. Vor allem die 4 Party-Pills-Jungs sahen aus wie wandelnde Leichen. Aber naja, ich musste ja ‚arbeiten’, sprich, mir mein Kabel abholen. Hab mich also um 1 mit dem Typen in der Stadt verabredet und schwupps hatte ich ein wundertolles Kabel für mein Autochen. Zurück am Campingplatz hab ich gefragt, wie viel ich draufzahlen muss, wenn ich statt einer normalen Tentsite jetzt eine Powersite möchte und hab daraufhin nur zu hören bekommen, ich soll mich einfach hinstellen, des passe schon. Ich liebe NZ und seine Kiwis! 

Hab mich dann in meiner Wohnung ein bisschen umeingerichtet und dabei auch gleich noch meine Matratze halbiert. Der Rückteil meines Busses war ja komplett Bett, also komplett Matratze, also nicht so wirklich praktisch um Sachen abzustellen und so hab ich schwupsdiwups mein Küchenmesser genommen und jetzt hab ich zwar ein kleineres, doch dickeres Bett. Mal gucken, wie oft ich da runterfallen werde. 

Das war aber dann auch schon das aufregendste, was heute passiert ist. Abends ging es dann wieder rüber ins Aranga-Backpacker, wo es diesesmal nicht ganz so wild zu ging, sondern einfach nur gemütlich zusammen gesessen und gechillt wurde. 

Das war ja mal ein kurzer Eintrag… 

Fr, 30 – 03 – 2007 KERIKERI: Sonne & Sandflies

SONNE!!!! UNGLAUBLICH!!!! TOLLO TOLLO TOLLO, Sonne, warm, trocken! Das war vielleicht ein schöner Blick durch die Frontscheibe! Auch wenn ich schon um 8 geweckt wurde, da ich ja noch an der Küche geparkt hatte und die Reisegruppe früh weiter musste und eben gefrühstückt hat. Naja, hab es ihnen dann gleich getan, mich dabei mit einem deutschen Pärchen unterhalten, das ich schon am Abend zuvor kennen gelernt hatte. Beide um die 30, waren schon mal sechs Wochen zum urlauben hier und reisen jetzt genau so wie wir ein Jahr lang mit ihrem kleinen Bus durch dieses tolle Land. Haben zu Hause Job, Wohnung und auch alles sonst gekündigt und wollen, genau wie ich, einfach mal kucken, was in diesem einen Jahr so passiert. Sind auch erst seit Anfang März hier, man wird sich also bestimmt noch mal über den Weg laufen. Ins Gespräch gekommen sind wir eigentlich, weil ich gesehen habe, dass sie so ein Stromkabel, wie ich es gerne hätte, haben. So eins, welches man draußen in die Campingplatzstromboxen stöpseln kann und am anderen Ende eine ganz normale Steckdose hat. Hab sie also gefragt, woher sie des haben und so weiter und dann haben wir uns zusammengesetzt und ein bisschen geratscht und so. War sehr nett. Tja, und die hab ich dann eben morgens wieder getroffen.
Eigentlich wollen sie auch hier in Kerikeri arbeiten, aber da das ja alles so blöd hier aussieht fahren sie jetzt erstmal weiter im Norden rum und falls sie doch noch Bescheid bekommen, dass sie anfangen können, kommen sie eben zurück. So um 10 hab ich mich dann also von ihnen verabschiedet und mich einfach mal (endlich wieder) auf den Weg gemacht, raus aus Kerikeri. Naja, nicht sofort, hab erstmal dem Kabelladen einen Besuch abgestatten, weil ich unbedingt auch Strom in meinem Auto will. Tja, die hatten dann aber keins mehr da, musste bestellt werden, und würde so am Nachmittag da sein. Nun gut, dann eben weiter auf den McDonald’s Parkplatz, wegen weil die haben hier (fast) alle Internet und W-Lan. Da mein Laptop aber leider nur noch eine dreiviertel Stunde Akku hatte konnte ich damit nicht so viel anfangen. Also, endlich raus hier. Die One-Way-Bridge raus aus Kerikeri war aber immer noch geschlossen / kaputt / wasauchimmer. Also, nach ein bisschen kucken in die andere Richtung raus. Am Kreisverkehr hatte ich dann die Wahl, ob ich links in Richtung Paihia oder rechts in Richtung Kaitaia fahre, dem letzten größeren Ort, bevor man zum Ninety-Mile-Beach und Cape Reinga kommt. Habe mich also (welch Überraschung) für letzteres Entschieden.
Nach etwa 10 Minuten hab ich dann auf der linken Straßenseite ein Warehouse gesehen, von wo ich unbedingt noch was brauchte. Dommi fährt also erstmal glorreich an der Einfahrt vorbei, will in einer kleinen Seitenstraße drehen und verliert dabei mal eben ihren linken Außenspiegel beim Kamp mit einem Briefkasten. Na toll! Da bin ich ja mal richtig stolz auf mich. Die Besitzer des selbigen waren natürlich auch gerade in ihrer Einfahrt tätig, haben sich aber ihren Briefkasten nicht mal angekuckt sondern nur gefragt, ob mit mir alles klar ist und ob ich noch in der Lage bin, weiter zu fahren. Das war ich natürlich, aber hab mich tierisch geärgert. Hätt ja jetz echt nich sein müssen! Auf dem Warehouse-Parkplatz hab ich dann probiert, mit meinem Gaffa-Tape den Schaden wieder ‚rückgängig’ zumachen, was sich aber auf Grund meiner Unfähigkeit, gleichzeitig im Auto zu sitzen, um zu kucken, ob er richtig eingestellt ist und gleichzeitig draußen zu Tapen, und einer übermäßig großer Anzahl kleiner fliegender Viecher unmöglich gestaltete. Nun gut, also rein ins Warehouse, wollte nämlich nach so einem kleinen Kühlboxdingsda gucken, des man an den Zigarettenanzünder anschließen kann, was auch recht schnell gefunden war. Raus bin ich aber dann noch mit einer gelben Plastiktasse mit Smiley-Gesicht drauf, der Peter-Jackson-Biografie (war ‚on special’), einer (Salat)Schüssel (die hab ich aber wirklich gebraucht) und einem Beutel Raspberry-Licorice (mhhh, lecka). Dieses Warehouse ist so ein bisschen wie IKEA. Wenn man hinfährt, weil man wirklich was braucht, findet man immer noch Dies und Das, was man noch irgendwie toll findet oder man fährt einfach mal so hin, wenn einem langweilig ist und kauft dann Sachen, die man manchmal wirklich, manchmal eigentlich nicht so richtig und manchmal überhaupt nicht braucht. Ich mag Warehouse!
Also, weiter gings mit mir. Einfach immer die Straße weiter und weiter und weiter, bis ich dann auf einmal ein Schild ‚Mataui-Bay 16 km’ gesehen hab. War mir erst nicht sicher, ob ich diese schon nehmen sollte, da ich ja erst eine dreiviertel Stunde oder so unterwegs war, aber andererseits musste ich ja nachmittags wieder in Kerikeri sein wegen meinem Kabel, konnte also nicht unendlich weit fahren und ich wusste nicht, wann das nächste mal so ein Schild auftauchen würde. Ich also Vollbremsung von 100 auf 30, mein Hintermann war begeistert und bei mir ist alles durchs Auto gepurzelt. Hat sich aber gelohnt. Schon der Weg dorthin hat sich gelohnt (da kann man wirklich mal dieses blöde ‚Der-Weg-Ist-Das-Ziel-Sprichwort verwenden). Um eine Kurve, tolle Landschaft, nächste Kurve, komplett neue und mindestens genau so schöne Aussicht. Da macht das Auto fahren noch mehr Spaß als sowieso schon. Nach einer Recht abenteuerlichen Fahrt – gegen Ende gings es in viel zu engen Kurven mit etwa 10 km/h die Straße runter, aber zum Glück ist hier meistens so wenig Verkehr dass man die ganze Breite der Straße ausnutzen kann, außer wenn, wie heute, an so einigen Stellen sowieso diese nur noch eingeschränkt nutzbar ist, weil das Unwetter hier und da kleine Erdhäufchen oder auch mal größere Haufen gelassen hat – hatte ich dann also eine wunderbar kleine und schöne Bay vor mir. Eine kleine Wohnwagen-Wellblech-Siedlung war das einzigste Anzeichen jeglicher Zivilisation. Ach ja, und Graffiti auf allen möglichen (Straßen)Schildern. Als ich dann mit dem Auto auf dem Strand gehalten habe hat es ungefähr 2 Sekunden gebraucht und meine Scheiben waren schwarz. Vor Fliegen. Alles voll. So was hatte ich noch nie gesehen. Meine Motivation auszusteigen hielt sich dann nach diesem Anblick in Grenzen und so hab ich den Motor gar nicht erst ausgemacht sonder bin gleich umgedreht und zurück. Auf dem Weg recht gegen Ende hatte ich irgendwo ein Schild an einer kleinen Abzweigung gesehen, auf dem ‚Tourist Road’ oder so was ähnliches stand. Eigentlich bin ich ja bei so was nicht zu haben, aber ich wollte nicht so unvollendeter Dinge heimfahren. Nachdem ich dann irgendwo mitten auf der Landstraße (ja Thomas, genau wie damals. Nur diesmal ohne die Laster J) gedreht hatte, weil ich natürlich glorreich das Schild übersehen haben musste hab ich dann endlich die Abzweigung gefunden und die Fahrt war wirklich toll! Die Straße war recht weit oben und  ziemlich am Rand, so dass man meistens einen wunderbaren Blick runter auf die Küste und das Meer hatte. Auf der anderen Straßenseite war fast die meiste Zeit so was wie Regenwald. Geilo! Bin dann irgendwann an einer kleinen Wiese mit Bänken angekommen, ganz  nah am Strand. Schönes Plätzchen! Ich also angehalten, doch wieder nix mit aussteigen sondern das gleiche Spiel wie vorhin. Kaum stehengeblieben wieder alles schwarz. Ich „Och nö“. Motor hab ich diesmal ausgemacht, wollte wenigstens vom Im-Auto ein bisschen diesen Anblick genießen, weil es einfach so toll aussah und war! Da ich aber ja kein einziges Fenster aufmachen konnte und in der prallen Sonne stand wurde es recht schnell recht heiß im Auto, also wieder zurückfahren. Hatte bei der Hinfahrt einen kleinen Parkplatz an der Straße gesehen, wo man wunderbar aufs Wasser runterkucken konnte. Einmal wollte ich es noch probieren. Ich also wieder zurück, Stelle auch gefunden. Hab mich schon gesehen, wie ich hier oben endlich Fotos von meinem Autochen mache, Meer und Küste im Hintergrund und alles, aber daraus wurde wieder nix, ratet mal warum.
Bin dann also wieder ‚nach Hause’ gefahren und war so um  halb drei wieder zurück. So um halb vier sollte mein Kabel da sein, würden mich dann anrufen. Hab also dann noch dem New World Supermakrt ‚Mitre 10’ (ist so etwa wie unser OBI) einen Besuch abgestattet, dort eine Lampe, einen kleinen Lüfter für kalt und warm, einen Schirm (nach diesem Regen) und noch ein paar Kleinigkeiten gekauft und dann gings zurück zum Campingplatz wo ich mich mit Sarah und Vijeya in die Sonne gesetzt und ein Bierchen getrunken hab bin ich dann wieder zurück zum Kabelladen, aber der Kurier war irgendwo hängen geblieben und es würde erst am nächsten Tag kommen. Na toll. Ich also wieder zurück, und so eine Stunde später hat mein Handy geklingelt und der Verkäufer aus dem Laden war dran und hat gemeint, er hat grad gesehen, dass er alles Zeug, was man für des Kabel braucht, zu Hause hat und dass er Elektriker ist und deswegen auch offiziell machen darf und für den halben Preis. Da sag ich nich Nein!
Nun gut, der Abend wurde dann recht unterhaltsam, da sich 4 Jungs aus dem Backpacker drüben Party Pills gekauft haben, die man hier ganz normal im Laden kaufen kann, und Matthias hat es beschrieben wie „25 Red Bull hintereinander trinken“. Die Partey ging dann also diesmal so bis 8 Uhr morgens und wir, die diese Dinger nicht geschluckt hatten, hatten unseren Spass mit vier hyperaktiv durch die Gegend hüpfenden Jungs. Und da die Energie irgendwie ansteckend war ist keiner vor sechs Uhr früh im Bett gelandet.. Das war mal lustig. Und da sind wir dann auch schon beim

Do, 29.3.2007 KERIKERI: Regen & Richtige Kiwis

Nachdem es auch noch die ganze Nacht weiter geschüttet hatte, war der eigentlich kleine und klare Bach, der einige Meter entfernt von unseren Autos und etwas tiefer lag, inzwischen zu einen wirklich reißenden braunen Fluß angeschwollen. Deswegen haben Sarah und Ich vor allem anderen erstmal unsere zwei kleinen Vanettes (sie hat ja das gleiche Auto wie ich, hab ich das schon erwähnt?) umgeparkt vor die Küche, da erstens das Wasser wirklich schon ein gutes Stück näher gekommen, der Boden aufgeweicht und es so auch nicht mehr so weit zu Toiletten, Duschen, Kühlschrank und allem anderen war. Tja, da saßen wir dann also auf den überdachten Bänken. Auch hier stieg das Wasser vom Boden her langsam, da die Abflüsse einfach nicht mit so viel Wasser fertig werden konnten, so dass man bald nur noch an einem von drei Tischen mit trockenen Füßen sitzen konnte. So gegen zwei hatte das feuchte nass dann auch die Schwelle zur Küche besiegt. Alle Einheimischen haben gemeint, so einen Regen hätten sie noch nie gesehen und dass der Bach/Fluss/Wasauchimmer noch niemals so ausgesehen hätte. Es hört sich vielleicht nicht so schlimm an, zwei Tage und zwei Nächte Regen, aber es war eben wirklich kein normaler, sondern ein extrem starker Regen und während der ganzen Zeit hat es nicht 1 Sekunde aufgehört.. 

Tja, so saßen wir dann rum, haben gegessen, Sarah hat Kaffee getrunken und geraucht und wir haben eben irgendwie versucht, die Zeit totzuschlagen. Nach großem Abendessen gings dann wieder rüber ins gute alte Backpacker, in dem es an diesem Abend noch voller war als sonst, da neben einigen Angestellten vom Campingplatz und ein paar Leuten aus Kerikeri, die alle nicht nach Hause kamen, da die einzige Brücke (One-Way) aus der ‚Stadt’ raus, auf Grund des Wetters gesperrt war, auch noch etwa 20 Studenten der Otago-University dort waren, die gerade eine Woche lang im Northland herumfahren, um Strände zu begutachten und beurteilen (studieren Geografie oder so was) und uns erzählt haben, dass sie auf dem Weg von Whangarei hier her nach Kerikeri etwa 13 oder 14 Autos irgendwo raus schieben mussten. Naja, das war dann also auf jeden Fall eine lustige Angelegenheit, doch irgendwann gab es dann einen Zwischenfall wegen eines Shampoos, weil die Dänen irgendwie alles nicht so locker gesehen haben wie die Kiwis und, na ja, Männer halt. Tja, nachdem der Tscheche Paul dann nach einer halben Flasche Rum und einigem anderen Alkohol einen übermäßigen Drang hatte, sich in meiner Nähe aufzuhalten und es irgendwann vier Leute brauchte, damit ich mich frei bewegen konnte, hab ich mich gegen zwei mit dem Kiwi Mike entschieden, dass wir uns auf unsere Bänke bei unserer Küche setzen, wo wir dann über zwei Stunden geredet haben, über Gott und die Welt und Neuseeland und HdR und wie er seine Freundin kennen gelernt und alles mögliche und des war richtig nett. Beim Verabschieden hat er mich dann noch auf ihre Farm auf die Südinsel eingeladen, und gemeint, wenn ich in der Nähe bin soll ich einfach anrufen und dann kann ich in ihrem Gästezimmer pennen und des fand ich auch wieder nett. Naja, dann hieß es also Gute Nacht. Ach ja, so etwa um drei nachts hat es aufgehört zu regnen. Lasst uns mal den Morgen abwarten. 

Mi, 28.3.2007 KERIKERI: Regen & Regen

Ha, ha, da lachen wir uns doch mal ins Fäustchen. Von wegen Ausflug nach Norden oder Bus ansprayen: Das einzige, was wir heute sehen konnten war: Regen. Das einzige, das wir heute machen konnten: Nass werden. Naja, fast. Aber dieser Tag war wirklich nass. 24 Stunden Regen, und zwar nicht irgendwie normaler Regen sondern so ein Weltuntergangsstimmungsregen. Keine Sekunde Pause den ganzen Tag und eben kein Nieselregen sondern so ein richtiges Aus-Allen-Eimern-Schütten. Das war kein Spass mehr.
Hab mich dann nach kurzem Frühstück auf in die Stadt gemacht, da ich für meine Internetverbindung noch ein Vom-Laptop-in-die-Telefonbuchse-Kabel brauchte. Hab ich dann auch schnell bekommen und sobald wieder daheim angekommen probiert, endlich nicht mehr über die teure Internetverbindung vom Campingplatz sondern mit meinem eigenen Laptop ins Internet zu kommen. Naja, nach zwei Stunden hab ich dann aufgegeben. Hab alles mögliche rumprobiert und gestellt und getan und gemacht, aber irgendwie wollts nicht klappen. Werd ich morgen wohl mal bei denen anrufen und fragen, ob sie mir helfen können.
Nun gut, nach diesem nicht wirklich erfolgreichen Erlebnis hab ich mich dann auf mein Bettchen gelegt und Lonely Planet gelesen. War richtig tollo gemütlich, ich drinnen, der Regen draussen. So was mag ich. Irgendwann hat es dann an meine Scheibe geklopft und einer der Jungs von gestern Abend (Dominik aus Hannover) stand draußen mit einem Bierchen und hat sich in meinen Bus eingeladen (grummel). Musste ich meine heimelige Atmosphäre also aufgeben. Nach ein bisschen Plauderei gings dann ab zum kochen (Bratkartoffeln mit Frankfurter (englisch ausgesprochen) –Würstchen, die einzigen wurstförmigen Dinger, die man hier als verwöhnter Deutscher genießen kann). Das war lecker. Wieder drüben im Backpacker haben wir dann diesen World Trade Center Film mit Nicolas Cage gekuckt, nichts besonderes aber hatte ihn mir noch amerikanischer und heroisierender vorgestellt.  Danach ging es ein Stockwerk tiefer in den Ping-Pong-Internet-Dart-Aufenthalts-Raum, wo alle anderen saßen. Nachdem Sarah und ich ziemlich schnell in Bier in die Hand gedrückt bekommen hatten (später auch noch Wein usw.) wollte Carlos, der mir gegenüber saß, die ganze Zeit „Una minuta“ mit mir reden. Da ich ja kein Wort spanisch verstehe und ich mich auch ganz toll mit anderen Leuten unterhalten hab, war mein Drang diesem Verlangen zu folgen dann nicht wirklich groß, doch nach etwa 1 ½ Stunden wurde es dann irgendwie zu nervig und außerdem gab es Fluchtgründe auf Grund eines recht gleichnamigen Germanen. Tja, und da saß ich dann also und hatte eine Wortwolke aus Spanisch um mich. Auf den Vorschlag hin, doch auch mal ein bisschen Englisch zu reden, bekam ich dann nur zu hören dass Englisch = Amerika = böse = Bush = ganz schlimm à Englisch = böse. Herr Deuter, was sagen sie zu dieser Gleichung?
Tja, und das war aber dann auch schon alles, was ich so dank Händen, Füßen, Phantasie und Sarahs zwei Schuljahren Spanisch verstanden hab. Ach ne, und da war ja noch die Sache, dass Carlos die Anschläge vom 11. September so toll findet. Also, es tue ihm schon Leid um die ganzen Toten und deren Familien, aber er bewundert die Leute, die das organisiert und durchgeführt haben, weil die eben Amerika und Bush so richtig mal in den Arsch getreten hätten. Da fragt man sich doch dann schon, was in diesem Kopf vorgehen muss. Ist ja gut und schön, dass man die USA nicht mag und auch George W. Bush nicht gerade gern als Nachbarn hätte, aber alles hat ja irgendwo seine Grenzen.
Tja, wen gibt es denn da drüben im Backpacker noch so…. hmm, beschreibe jetzt einfach mal kurz alle erwähnenswerten Leute, damit ihr einen Überblick habt. So viele Namen und Länder mit Gesicht ist schon schwer genug zu merken, aber ihr habt ja keine Gesichter dazu. Also, los geht’s:
Johnny:       34, Mazedonier, kauft alles ‚on special’ und kann sich auch noch an die Preise von Sachen von vor 5 Jahren erinnern (ich bin ja so eine die nicht mal mehr den Preis vom Vormittag im Supermarkt weiß). Trinkt keinen oder nur sehr wenig Alkohol sondern literweise Kaffe, raucht nicht sondern pafft nur ab und zu mal um ein Gruppengefühl zu erzeugen. Ist hier im Backpacker nicht sonderlich beliebt, hat mal ein Jahr in Bayern in Landsberg am Lech in einer Bäckerei gearbeitet weswegen er ziemlich gut deutsch spricht und Sarah und ich wissen noch nicht ganz, was wir von ihm halten sollen.
Andre:         28, Tscheche, sehr ruhiger, Pizzasüchtiger, höflicher und lieber Kerl, der wahnsinnig schnell trinkt und einer der wenigen hier ist, die Arbeit haben. Pennt ihn einem Zimmer mit Johnny.
Vijeja:         25, in Indien geborene Schwedin, kleiner als Ich J, superlieb, Spitzenenglisch und eben eine dieser Personen, bei denen man schon nach 2 Tagen denkt, man kenne sie eigentlich viel länger und froh ist, sie kennen gelernt zu haben
Carlos:        Idiot, Depp, nur Spanisch, Mitte 30, führt sich aber auf wie 12, nervig, aggressiv, unberechenbar
Matthias:     22, Schwede, hat auf seinem Unterarm die Namen seiner 3 Schwestern eintätowiert, war mit der Armee schon 6 Monate in Lybien, 6 Monate im Kosovo und wenn er wieder zurück ist ist Afghanistan dran, überall Minenräumung. Hat früher Wände und Züge und sonstiges mit Graffitis besprayt und ist einer der wenigen, die länger Spanisch in der Schule hatten und sich deswegen mehr oder weniger gut mit Carlos verständigen kann. Auf jeden Fall supernett und auch ein Spitzenenglisch
Dominik:     20, aus Hannover, seltsam, ist der einzige der offene Schuhe und Socken trägt
Jassin (?):   40, aus dem Süden Dänemarks weswegen er ein super Deutsch spricht (kennt sogar das Wort ‚Hochdruckreiniger’), beim ersten Eindruck ziemlich seltsam, aber eigentlich sehr nett, stellt nur komische Fragen und benutzt nicht gerade niveauvolles Vokabular, wenn er was getrunken hat (Frage an Sarah, Vijeja und mich: „Did you come to New Zealand to fuck?“ – das sagt eigentlich schon alles), aber wenigstens einer von denen, denen man mal sagen kann „Du nervst mich grad“ und die dann nicht für immer beleidigt sind sondern später wieder mit einem reden.
Hakon:        Nein, nicht der König sondern ein 21 Jähriger Däne mit deutscher Freundin (die aber nicht hier is), der sehr gerne trinkt, vom Aussehen her eigentlich auch schwul sein könnte und mit steigendem Alkohol immer mehr Spaß am deutsch sprechen hat. Zwar nicht das Beste deutsch, aber mit wundervoll knuffigem Akzent. Ich sag nur ‚Wunderchön’
Simon:        Mit Hakon unterwegs, sehr lustiger und Aktiver Geist, unterhaltsame Ideen, mit dem wird’s nich langweilig.
Sebastian:   25, sieht aber aus wie Anfang dreißig, aus Chile, studiert(e ?) Philosophie und lebt eigentlich nur von Kaffee, Tabak und Alkohol, hauptsächlich Bier. Toll zum interessante Gespräche zu führen. Beim Arschloch Kartenspiel zwar sehr langsam, wusste beim Abflug nach Neuseeland nur, dass dies aus zwei Inseln besteht. Herzensguter Mensch und nicht so aufdringlich wie so manch anderer hier
Matt:           23, Neuseeländer von der Südinsel, hauptsächlich zum Arbeiten hier. Gefahr von Muskelzerrung auf Grund übermäßig starker und langanhaltender Lachanfälle. Soll heißen: Egal was er erzählt, obs über Brot backen oder Cowboys geht, man kann nicht anders als pausenlos zu lachen
Paul:           28, auch Tscheche, sieht aus wie 20, sehr lieb, weiß nur manchmal nicht, wann er besser aufhören sollte zu trinken, kennt viele Kartenspiele
 

Der Rest des Abends verlief dann recht unspektakulär, bekam nur noch einige böse Blicke von Dominik, weil ich ihm wohl nicht die Aufmerksamkeit geschenkt habe, die er gerne gehabt hätte. Als ich mich dann um 3 verabschieden wollte, wollte der liebe Carlos unbedingt noch mal eine Minuta und mich zum Bus bringen und so. Mit Hilfe von drei Sprachen geschrienen Neins und Matthias konnte dies aber zum Glück verhindert werden. So ein unangenehmer Kerl.

Di, 27.3.2007 KERIKERI: Langeweile & lausiges Wetter

DI, 27 – 03 – 2007 KERIKERI: Langeweile und lausiges Wetter
Nachdem ich heute mal nicht schon um 7 von der Sonne geweckt wurde, bin ich erst um neun Uhr aufgestanden, richtig spät für neuseeländische Verhältnisse. Dass ich nicht von der Sonne geweckt wurde lag aber einzig und allein daran, dass der Himmel so wolkenverhangen war wie es nur ging. Da wir ja nicht wirklich was zu tun hatten ging es nach einem gemütlichen Frühstück wieder in die Stadt, um die Post, das Internet-Café und den Supermarkt zu besuchen. Bei dieser Gelegenheit hab ich mir dann auch gleich noch Spraydosen gekauft, um meinen noch weißen Bus bald ein wenig fröhlicher gestalten zu können. Haben dann noch einen Zwischenstopp im Café gemacht, das wars dann aber auch schon wieder mit den (Vor)Mittags Aktivitäten. Das ist wirklich schlimm, bei diesem Wetter wird man nicht richtig wach, hat nix zu tun und hängt den ganzen Tag nur sinnlos rum. Naja, dann kann man aber endlich mal die liegen gebliebene Arbeit erledigen. So, Homepage aktualisieren, Fotos endlich ma aufs Laptop und so weiter J. Und das tu ich jetzt grad.
 

Nachdem ich mir dann noch an der Rezeption eine IRD-Nummer (braucht man hier zum arbeiten) in Auftrag gegeben hab gings dann wieder zum kochen, bei dem wir unsere Freunde vom letzten Abend wieder getroffen haben, diesmal auch noch eine Schwedin (Nein, nicht blond sonder dunkelhäutig, da Abstammung Indien), die uns dann später eingeladen hat auf Rum-Cola. Hier auf dem Campingplatz gibt es auch noch ein Backpacker, in dem unter anderem diese drei wohnen, wo eine lustige Runde junger Menschen saß. Die meisten der etwa 20, die dort zusammensaßen, sind auch zum arbeiten hier, warten entweder auch oder manche haben schon was gefunden. Da haben wir uns dann also dazugesellt, ich habe einen Schweden (Matthias) gefunden, der Graffiti sprayen kann, was mich sehr glücklich gemacht hat, wegen meinem noch weißen Bus, einen aus Uruguay stammenden Portugiesen (Carlos), der kein Wort Englisch sondern nur Spanisch spricht, und einen auch pausenlos damit vollbrabbelt, an der Backe gehabt und so weiter. Auf jeden Fall sehr lustig. Dies wurde dann eine etwas längere Nacht, so bis 1, da es einfach so eine angenehme und abwechslungsreiche Runde war. Richtig nett. Tja, und so um 1 eben sind Sarah und ich dann ins Bett gepurzelt. Ihr Plan für den nächsten Tag ist, einen Ausflug in den Norden zu machen, meiner die Spraydosen zu leeren und das weiß zu bekämpfen. Ma guggn was draus wird. Adios, ihr lieben fleißigen Leser.

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